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Jobbörsen sind ein Klassiker des Internets und für die Anbieter sicher lukrativ. Kein Wunder, dass auch im Jahr 2007 noch ein neuer Anbieter auf den Markt drängt. Um eine Chance zu haben, muss allerdings erst einmal Masse her. Ohne Bewerber keine Angebote, ohne Angebote keine Bewerber - wie bei jeder Community muss erst ein Punkt überschritten werden, ab dem das Projekt zum Selbstläufer werden kann. Yourcha möchte nun den alteingesessenen Anbietern wie Monster Konkurrenz machen. Das dürfte schwer werden, zumal das Portal noch unausgereift wirkt.
Yourcha wirbt für sich damit, dass es den bisherigen Ablauf der Jobsuche umkehren will. Standardmäßig inserieren die Unternehmen ihre Stellen und die interessierten Arbeitnehmer bewerben sich. Bei Yourcha soll es nun so sein, dass sich die interessierten Arbeitnehmer vorstellen und Unternehmen bei ihnen anklopfen.
Tatsächlich habe ich aber auch bei Jobpilot/Monster die Möglichkeit, meinen Lebenslauf einzustellen und angesprochen zu werden. Inwiefern das wirklich passiert, kann ich nicht beurteilen. Nach meiner persönlichen Einschätzung läuft es in der Regel aber über den klassischen Weg. Das dürfte vor allem der Fall sein, wenn es ein Überangebot an interessierten Arbeitnehmern gibt. Der umgekehrte Weg ist eher bei high potentials denkbar, also Kandidaten mit besonderen Fähigkeiten und Kenntnissen.
Nach solchen Spezialisten wird hingegen bei Yourcha nicht ausdrücklich gesucht.
Die Benutzeroberfläche des Systems ist in Ordnung, wenn auch nicht überragend. Nachdem man sich einmal registriert hat, muss man beispielsweise noch seine Angaben vervollständigen. Dies ist aus der Seite, auf der man zuerst landet, aber nicht ersichtlich. Auf den zweiten Blick entdeckt man rechts oben eine kleine rote Flagge und das Wort “Hinweis”. Dort wird dann erklärt, man habe seine Daten zu vervollständigen.
Bei der Eingabe der Daten wird zum Teil auf Ajax-Funktionen zurückgegriffen, wie es seit einiger Zeit Mode ist. Es wird also nicht bei jedem Klick die Seite neu geladen. Das kann schick sein, wirft aber auch neue Probleme bei der Benutzerführung auf. Mir kommt es bei Yourcha insgesamt noch sehr “geekig” vor, also eher für Insider geeignet. Aber von einem “Google für den Arbeitsmarkt”, wie sie sich selbst sehen, sind sie doch ein gutes Stück entfernt. Das würde für mich ein radikal neues, einfaches und besser als anderswo funktionierendes Konzept bedeuten. Das aber ist zumindest für mich bei Yourcha nicht erkennbar.
Unverständlich bleibt, warum man zuallererst einen “Yourcha-Code” anfordern muss. Ich vermute, dass man gefälschte Einträge in die Yourcha-Datenbank vermeiden möchte und die Adressen auf Plausibilität geprüft werden. Leider wird das nirgends erklärt.
Kein Wunder, dass in anderen Blogs inzwischen eine Reihe von Artikeln erschienen ist, die die Glaubwürdigkeit und Seriosität des Angebots anzweifeln. Hier besteht erheblicher Nachholbedarf. Der Datenschutz ist ein Punkt, bei dem niemand mit sich spaßen lässt - zu Recht. Anfang des Jahres wurden offenbar Werbebriefe verschickt, obwohl zu dem Zeitpunkt Arbeitgeber noch gar keine Anfragen stellen konnten. Das sorgte für viel Misstrauen. Es gibt einfach zu viele Scharlatane im Internet. Wer mit denen nicht in einem Topf landen will, muss sich echt anstrengen und seine Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit beweisen.
Merkwürdig wirkt in diesem Zusammenhang auch, dass Yourcha noch sehr unvollständig scheint. Erst seit voriger Woche kann man als Arbeitsuchender seinen Lebenslauf einstellen - bei anderen Börsen die zentrale Funktion. Man fragt sich: Wie will man Unternehmer für diese Jobbörse begeistern, wenn diese so wenig über die potenziellen Kandidaten erfahren? Immerhin soll bei Yourcha jeder vermittelte Kontakt 50,- Euro kosten.
So gesehen scheint mir Yourcha noch einen langen Weg vor sich zu haben. Das Konzept scheint mir nicht schlüssig, das Portal selbst ist unfertig und besonders in der Kommunikation mit den so wichtigen Nutzern muss noch einiges gemacht werden. Auf meine Mail wegen des Yourcha-Codes erhielt ich nur eine offenbar standardisierte Mail zurück. Das ist nicht besonders vertrauensbildend. Ohne den Auftrag eines Tests hätte ich das sicher gar nicht auf mich genommen.
Fazit: Anfangs war ich für eine neue Idee bei Jobbörsen sehr aufgeschlossen, bin vom Produkt Yourcha aber enttäuscht. Weder sehe ich ein phänomenal anderes Konzept, noch kann mich die Oberfläche überzeugen. Sympathie kommt ebenfalls nicht auf. Auf die Macher wartet noch eine Menge Arbeit. Vor allem müssen sie sich Gedanken machen, wie sie das Vertrauen in Sachen Datenschutz wiederherstellen.
Yourcha AG - Neues webbasiertes Jobportal