AJAX: Zukunft oder Pest für das Internet
Wenn Sie der Leser sind, den ich mir eigentlich beim Schreiben dieses Weblogs vorstelle, dann haben Sie von AJAX bislang höchstens in zwei Zusammenhängen gehört: Putzmittel oder Fußball. Ist das so? Gut, lesen Sie weiter. Ist es nicht so? Naja, dann machen Sie das Beste draus.
Technischer Hintergrund
Unter der kuriosen Abkürzung AJAX wird ein Bündel von Technologien verstanden, das Internetseiten mehr wie ein Computerprogramm wirken lassen kann. Denn im Internet ist es beispielsweise üblich, dass bei einer Aktion (dem Klick auf einen Link oder dem Auswählen eines Punktes in einem Formular) das Ergebnis erst auf einer zu ladenden Seite zu finden ist. Der Ablauf im Internet ist also heutzutage in der Regel so: Gucken, Klicken, Warten, Gucken, Klicken, Warten…
Computerprogramme funktionieren nicht so. Wenn man in Word die Schriftgröße ändert, ist das Ergebnis sofort zu sehen. Es wird nicht erst das komplette Dokument neu geladen.
AJAX nun soll diese Nutzungsstratgien nun auch auf Webseiten ermöglichen. Einige Beispiele gibt es bereits, zum Beispiel die Oberfläche von
Gmail alias Google Mail. Die Benutzeroberfläche funktioniert hier auf diese Weise.
Was dagegenspricht
Auf den ersten Blick sieht es gut aus. Auf den zweiten nicht mehr so ganz. Denn AJAX verändert das Internet in sehr grundsätzlicher Weise. Das ruft die Kritiker auf den Plan. Ein besonders kurioses Beispiel:
Chris McEvoy nahm
einen Beitrag von Jakob Nielsen über Frames von 1996 und tauschte im Wesentlichen nur den Begriff "Frames" gegen "AJAX" aus. Da er den Artikel im Layout der Original-Artikel von Jakob Nielsen veröffentlichte, war die Täuschung perfekt. Übrigens auch für mich. Zwar fiel mir einen kurzen Moment auf, dass die Internetadresse nicht stimmte, aber das reichte nicht… Inzwischen steht dabei, dass es sich um einen Scherz handelt.
Jakob Nielsen, der als ein Guru in Sachen guter Benutzbarkeit (Usability) von Internetseiten gilt, ist bekannt ist seine seit vielen Jahren immer wieder aktualisierte Liste der
Top 10-Fehler beim Webdesign, bekannt. 1996 tauchten darin auch Frames auf. Ganz offensichtlich sorgte das für die eine oder andere E-Mail.
In einem eigenen Artikel erklärte er, warum er Frames aufgenommen hat. Dieser Artikel trägt den schönen Titel: Why Frames Suck (Most of the Time), also zu Deutsch: Warum Frames nerven (meistens).
Interessanterweise passen viele der Argumente 1:1 auch auf die neue AJAX-Technologie.
Denn seine Argumente bezogen sich zum Beispiel darauf, dass die ursprüngliche Grundidee des Internets, das alles auf dem Modell der Seite (page) beruht, in mehrfacher Hinsicht durchbrochen wird.
»Part of the genius of Tim Berners-Lee’s original design of the Web was a total unification of several concepts in a single idea, the page.«
Zu Deutsch: »Ein Teil der Genialität des ursprünglichen Web-Entwurfs durch Tim Berners-Lee war die Vereinheitlichung verschiedern Konzepte in einer einzigen Idee: der Seite.«
Viele Funktionen, die sich auf dieses Modell der Seite beziehen, sind dann nicht mehr in der jetzigen Art möglich, z.B. Lesezeichen, Adressen (URLs) und Links. Der "Zurück"-Knopf im Browser erfüllt seine Aufgabe auch nicht mehr wie gewohnt.
»The BACK feature is an absolutely essential safety net that gives users the confidence to navigate freely in the knowledge that they can always get back to firm ground. We have known from some of the earliest studies of user navigation behavior that BACK is the second-most used navigation feature in Web browsers (after the simple "click on a link to follow it" action). Thus, breaking the BACK button is no less than a usability catastrophe.«
Zu Deutsch: »Die Zurück-Funktion ist ein absolut notwendiges Sicherheitsnetz, das Nutzern die Gewissheit gibt, frei navigieren zu können, weil sie jederzeit auf sicheres Gelände zurückkehren können. Wir wissen von einigen der frühesten Studien über die Weise, wie Nutzer navigieren, dass "Zurück" die zweitwichtigste Navigationsfunktion in Browsern ist (gleich nach "auf einen Link klicken"). Den "Zurück"-Knopf zu zerstören ist also nicht weniger als eine Usability-Katastrophe.«
Kann Ihr Browser AJAX?
Derzeit haben laut des (gefälschten) Artikels etwa 78 Prozent der Internetnutzer einen Browser, der AJAX darstellen kann. Diesen Fakt kombiniert mit den oben genannten Problemen fasst der Jakob Nielsen in der "überarbeiteten Version" so zusammen:
»Combining these two statistics leads to the conclusion that more than a quarter of the users either can’t see ajax at all or can only do so while suffering severe usability problems.«
Zu Deutsch: »Kombiniert man diese beiden Statistiken, kommt man zu dem Schluss, dass ein Viertel der Nutzer AJAX nicht sehen kann oder es nur kann und mit erheblichen Usability-Problemen zu kämpfen hat.«
Zwar werde die Zahl der AJAX-kompatbilen Browser zunehmen, aber man solle nicht vergessen, dass die Nutzung des Internets für die meisten Menschen kein zentraler Teil ihres Lebens ist. Demzufolge investieren sie nicht viel Mühe, die dazu notwendigen Programme zu wechseln.
Hinzu kommt, dass Suchmaschinen mit AJAX nichts anfangen können.
Zum gefälschten Artikel:
Why Ajax Sucks (Most of the Time)
Zum Originalartikel:
Why Frames Suck (Most of the Time)
P.S.: Sie wollen wissen, was AJAX nun eigentlich heißt? Es ist die Abkürzung für "Asynchronous JavaScript and XML". Siehe Wikipedia-Artikel
Ajax (Programmierung)
Andere Weblogs zu den Themen: AJAX, Jakob Nielsen



Ajax und Hype und Gerüchte
Sowohl Ajax wie Hype werden hier erklärt. Desweiteren wieso Gerüchte schneller als Warp Geschwindigkeit sind und wozu alles miteinander sehr wohl nützlich sein kann, wenn einem usability wichtig ist.
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